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~Because I was dreaming~

Müde saß hier, hier auf meinem Ast einer großen starken Eiche, sonnte mich, und hörte den Wind sanft durch die Blätter streichen. Es war Sommer- endlich wieder- und die Welt schien nun endgültig aus ihrer Winterträgheit aufgewacht zu sein. Alles grünte und blüte; strahlende Kindergesichter, gebräunte Haut- hie und da auch mit einem leichten Rotschimmer- und die aus den Kellern der Häuser geholten Grille waren zu sehen. Einfach ein vollkommen perfekter Tag...

Wenn ich nicht ein leises Schluchzen unter mir gehört hätte. Unter mir hockte ein Junge, ein weinender Junge so um die 17, 18 Jahre, und hattesein Gesicht auf die angezogenen Beine gepress. Allein schon vom Anblick dieses kläglichen Daseins bekam ich Mitleid. Wie konnte ein so junges Menschliches Geschöpf an soeinem Tag bloß so armselig dahocken und nicht das Wetter ausnutzen? Wieso saß er hier, unter mir, und lag nicht gemütlich mit seinen Freunden im Freibad, hatte spaß und genoss das Leben? Was war passiert, dass er heute zu verzweifeln schien?

Ich traute mich nicht runter, nicht hinab zu dem Wesen, welches so viel trauer umgab, und so legte ich mich gemütlich auf den Ast, schaute weiterhin zu ihm und hörte dem Wind mit dem nun gemischten Schluchzen zu.

Der Kopf des Jungen regte sich, schaute hinauf in die grünen Äste der Eiche, direkt an mir vorbei. Seine Augen schienen gequollen und die Tränen hatten schwarze spuren von Schminke hinterlassen. Das schluchzen schien er sich gerade zu unterdrücken, während er weiter in die Höhe starrte und dehnen sich immer noch in seinen Augen sammelnden Tränen einfach freie Bahn ließ.

"Lächel, Bill, lächel, warum weinst du schon wieder?" die leise Stimme seiner selbst ließ mich leicht aufschrecken. Zu verträumt, zu genau hatte ich das so zerbrechlich wirkende Wesen angeschaut, zu genau hatte ich mich mit dem Rauschen der Blätter abgefunden, sodass die Worte plötzlich und unerwartet kamen- mir ein Schaudern über den Rücken jagten.
Die Stimme klang so weich und rein, wie die eines Engels und doch schwang die Trauer mit ihr mit, ließ das Blut in meinen Adern gefrieren und mich regungsunfähig machen.

Meine grünen Augen suchten heimlich seine tief braunen, doch das, was ich beim Hineinblicken sehen konnte, war wie ein großer Fluss, der vom Regen angeschwollen war und nun über die Ufern trat. Das Wasser war unruhig, undurchsichtig und der aufgewirbelte Sand versperrte die Sicht auf den Grund.
Schade, zu gerne hätte ich in diese so einsam wirkende Seele geblickt. Zu gerne hätte ich mal auf den Grund geschaut.

Meine Glieder ließen sich wieder bewegen und so reckte ich mich erst einmal ausgiebig, bevor ich mit einem gekonnten Sprung von meinem geschützten Ast auf den Boden zurück kehrte. Der Junge zuckte kurz zusammen, als ich so plötzlich ein paar Meter neben ihm auftauchte, doch kaum dass ich ihn süß anschaute und mich ihm vorsichtig näherte, huschte ein scheues Lächeln über sein Gesicht. Geschmeidig und leise schnurrend rieb ich mein Fell an seinen angewinkelten Beinen, bis ich schließlich das erzielte, was ich haben wollte: Er setzte mich auf seinen Schoß und fing an, mich zu kraulen. Ich hatte Glück. Nicht jeder Mensch behandelte mich so schnell so, fasste so schnell vertrauen zu mir, wenn ich ihn mit meinen stechend grünen Augen anschaute und mein grau- bläuliches Fell in der Sonne schimmerte.

„Weißt du, du hast es schon gut!“ hörte ich wieder seine Stimme, durch dessen Klang mein Schnurren kurzweilig aussetzte.
„Du hast`s schon gut, du hast keine Sorgen, liegst den ganzen Tag in der Sonne, lässt dich von fremden Menschen verwöhnen und wenn du zwischendurch mal hunger hast, musst du nur zu deiner Familie zurück.“ Dabei strich er sachte über mein Halsband „Wie gerne würde ich mit dir tauschen!“

Meine leicht eingerollte Position änderte sich, als ich mich vorsichtig aufsetzte und ihn mit einem schiefen, fragenden Blick konfrontierte. Vielleicht glaubte er, ich verstände ihn nicht, aber ich war weitaus nicht so dumm, wie manche meinten und war sehr wohl des Verstehens der Menschlichen Sprache würdig.
Aber ich wusste nicht was er meinte. Klar hatte ich es gut, denn ich hatte heute wirklich einfach nur faul da gelegen und den bisher wunderschönsten Tag des Jahres genossen, doch immer so ganz ohne Sorgen war ich auch nicht. Bill konnte sich ja gar nicht vorstellen, wie anstrengend es manchmal war, 4-8 Junge gleichzeitig großzuziehen. Das war auch kein Zuckerschlecken! Was also veranlasste ihn nun dazu zu sagen, dass er gerne mein Leben hätte?

Liebevoll wurde mir über den Kopf gestrichen, während sein Blick leicht verklärt und verträumt auf mein Fell gerichtet war.
„Weißt du, ich habe geträumt… ich habe geträumt, ich habe das schönste Geschöpf der Welt gesehen. Ich habe es im Traum geliebt, vergöttert und verehrt, und das Geschöpf hat es erwidert, doch dann bin ich aufgewacht und alles war anders, alles, echt alles!“

Während er weiter gesprochen hatte, liefen wieder einzelne Tränen über seine schmalen Wangenknochen, spülten das schwarze Make Up immer weiter hinab; doch ich verstand nicht. Ich verstand nicht, was er mir- oder sich selber- mit diesem Satz sagen wollte?! Was hatte er genau geträumt und warum war er nach diesem Traum so sehr verzweifelt, dass er hier saß, nicht am Strand, oder im Freibad, oder wo auch immer Menschen hingingen, wenn so ein fantastisches Wetter war. Ein bloßer Traum konnte einen doch nicht so fertig machen- oder? Ging das bei Menschen, dass sich Träum und Realität vermischten und man duch sie litt?

Ich wusste nicht, wie ich reagieren sollte, und wie ich eventuell genaueres aus ihm raus bekam, doch das schien ich auch nicht wissen zu müssen. Ganz von allein, schloss er- immer noch über meinen Kopf streichelnd- die Augen und fuhr fort.
„Der Traum, er war so schön, ich war so endlos glücklich, so glücklich wie schon lange nicht mehr und ich dachte und wollte nie wieder aus diesem Traum aufwachen- raus fallen- doch jetzt… jetzt ist es zu spät. Der Traum ist vorbei, zerbrochen und alles was ich fühle ist Einsamkeit, kennst du das?
Ach ne, bestimmt nicht…“

Doch, ich kannte Einsamkeit. Ich als geborene Einzelgängerin hatte sie schon oft gesucht, doch die Einsamkeit die er meinte, die kannte ich wohl wirklich nicht. Ich wusste, was er meinte, doch konnte ich es mir schlecht vorstellen. Bei mir war das immer so, dass wenn ich Gesellschaft brauchte, dann suchte ich sie mir- bei Menschen oder auch Artgenossen- und wenn ich allein sein wollte, dann ging ich meine Wege. So war das, doch er schien diese Möglichkeiten nicht ganz so zu haben- oder schien sie nicht nutzen zu können; zu wollen.
Immer noch verstand ich allerdings nicht, was er auszudrücken versuchte; was er so kompliziert und verworren raus gebracht hatte. Lag das daran, dass ich kein Mensch war, oder verstand er sich selber nicht ganz; hätten ihn andere Menschen auch nicht ganz verstanden?

Da mich wieder eine Welle von Mitleid durchflutete, stupste ich sachte gegen die Hand des Jungen, sodass er diese von meinem Kopf nahm und ich vorsichtig drüber lecken konnte. Ich machte das nicht oft- Menschen über die Hand lecken war einfach nicht meine Art- doch ich hatte keine Ahnung, wie ich ihm sonst beistehen konnte. Superkräfte hatte ich eben nicht, wodurch ich auch nicht zu ihm sprechen konnte, aber das er Beistand brauchte, das war unübersehbar.

Mitleid- noch nie hatte ich es so stark für jemanden empfunden, noch nie hatte ich die Sonne verflucht, mir und ihm direkt ins Gesicht zu scheinen und noch nie hatte ich so sehr versuch, einem Menschen ins Herz zu schauen. Es war komisch, doch das verlangen, des Rätsels Lösung zu knacken, und die Geschichte- den Traum des Jungen, Bill, zu verstehen, war unwahrscheinlich groß.

„Weißt du…weißt du was das größte Problem an diesem Traum war und ist? Das größte Problem ist, dass es kein richtiger Traum war. Auf eine weise schon ein Traum, so ist das nicht, doch er war real- wirklich real und jetzt… jetzt ist er wie gesagt aus und vorbei… mein schöner Traum!“ Langsam verstand ich den Sinn seiner Worte, langsam begriff ich, was er mit dem Traum meinte. Er hatte etwas gelebt, was so unbeschreiblich war, wie ein Traum und nun war dieser Traum wie gesagt zerplatzt. Kein schöner Gedanke.

„Das Geschöpf, von dem ich eben erzählt habe, es ist mein Bruder, mein Zwilling, mein geliebtes ein und alles. Wir waren zusammen… ja, auch wenn wir wussten, dass das nicht sein durfte, nicht sein sollte, wir liebten uns zu stark als das wir es unterdrücken konnten, weil wir geträumt haben, doch nun… Sie ham es rausgefunden, unsere Eltern unsere Freunde, die Presse, alle. Es ist aus, ich weiß es.
Wir waren doch so glücklich!!!“

Ein Schluchzen ließ seinen Bauch erzittern, wodurch auch ich leicht hin und her geschüttelt wurde. Jetzt wusste ich also sein Problem- das Problem, was ihn so fertig zu machen schien war Liebeskummer.
Aber ich konnte die Menschen nicht verstehen. Warum war jetzt alles vorbei, wenn raus gekommen war, dass er mit seinem Bruder zusammen war? Bei meiner Art ist das viel unkomplizierter. Ich war auch mal in einen meiner Brüder verliebt und hatte sogar Junge mit ihm. Niemand hatte was dagegen gesagt, niemand hatte uns auseinander bringen wollen und keiner fand das abnormal; wieso war das dann bei Menschen so anders? Wieso machten sie sich das Leben manchmal unnötig schwer?

Mein Herz fing rückartig schneller an zu schlagen, als sich beide zierlichen Arme um mich legten und mich sachte an den Jungen drückten. Er suchte Halt, das merkte ich, und da ich gerade die einzigste zu sein schien, die für ihn da war, die ihm zuhörte und die ihn und seine schier endlose Verzweiflung nicht verraten und weiter sagen würde, war wohl auch ich es, bei der er nun Nähe suchte- wenn auch vielleicht nur ersatzweise.

Die erneut entstandenen Tränen wurden mit einer schnellen Handbewegung weggewischt und ein leises Flüstern „Ich weine zu viel!“ war zu vernehmen, bevor er sich wieder etwas lauter- aber dennoch mit brüchiger Stimme mir zuwandte, mir ein „Danke, dass du nicht wegläufst!“ schenkte. Höflich war er ja, dass musste man im lassen.

Trotz meines sonst doch so guten Gehörs bekam ich nicht mit, wie sich eine weitere Person dem inzwischen leicht schattigen Platz am Baum näherte. Erst als ein weiterer Ruck durch den Körper des Jungen ging und ich mit einem Augenschlag eine fremde Hand auf seiner rechten Wange sah, wurde es mir bewusst. Neugierig wie ich war, drehte ich mich um und bekam einen weiteren Jungen zu Gesicht, der nicht weniger verzweifelt wirkte, als mein hier sitzender trauernder Freund. Er war blass und auch sein Gesicht zierten Spuren der Tränen. Er hatte die gleichen Augen, die gleiche Leere in ihnen, die gleiche verzweifelte Aura- das gleiche Gesicht und so schloss ich daraus, dass hier der geliebte Zwillingsbruder hockte und sachte die Wange seines Bruders streichelte.

„Tom!“ der Name des Neulings wurde erschrocken durch die Luft gewirbelt. „Tom, was machst du hier?“ Anstatt eine Antwort zu geben, beugte sich dessen Körper immer weiter nach vorne; näherte sich immer mehr dem anderen Gesicht. Schnell hüpfte ich vom Schoß des Jungen, dem ich bis eben noch Trost gespendet hatte, der mir seine Leidensgeschichte anvertraut hatte, doch nun war ich wohl eher im Weg.

Das ich nun wirklich nicht mehr gebraucht wurde, stellte ich fest, als ich den fremden nun endlich doch sprechen hörte, bevor er seine Lippen mit dehnen des leicht erschrockenen Bruders verschloss. Das „Bill, wir schaffen das schon… irgendwie!“ war zwar nicht von sicherster Natur, aber dennoch wirkte es beruhigend und auch ein kleines Stückchen ermutigend.

Als sich die Hand meines Freundes sachte in den Nacken des anderen legte, zart zurück geküsst wurde und sein Gegenüber ihm die Tränenspuren wegwischte- zudem mein Bauch noch seltsame, nach Essen verlangende Geräusche von sich gab, drehte ich mich endgültig um und machte mich auf den Heimweg.
Das „Danke noch mal!“ bekam ich schon fast nicht mehr mit…

The End



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