ariean
  Startseite
  Archiv
  Because I was dreaming
  Nur noch ein Foto
  Bericht
  Herzschlag- der Weg allein
  Gästebuch
  Kontakt
  Abonnieren
 


 
Freunde
    tigerauge
    patrimaus
    - mehr Freunde


Links
  tigerauges geile FF


Letztes Feedback


http://myblog.de/ariean

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
Nur noch ein Foto



Chapter 1

Ein kalter Wind pfiff durch die Zweige der alten Buche und ließ dessen morsche Äste knacken, während 2 unbesorgte Jungen lachend und mit viel Spaß durch den Garten rannten und versuchten, natürlich ohne Erfolg, den Regentropfen auszuweichen. Sie waren Brüder, um genau zu sein Zwillinge, und sie waren jung. Sehr Jung, gerade mal 6 Jahre alt, und führten ein unbeschwertes Leben ohne Sorgen und ohne Kummer. Nichts hätte die 2 auseinander reißen können, denn sie wollten für immer beste Freunde sein, das hatten sie sich schon beim reinkommen in den Kindergarten geschworen.

„Tom, Bill, sofort reinkommen ihr 2! Bei dem Regen noch draußen rum rennen, also ne. Ich habe euch doch schon tausendmal gesagt, dass ihr das nicht dürft. Wollt ihr etwa krank werde?“
Leicht beschämt schlichten die 2 Jungen rein und tapsten die große Treppe hinauf in ihr Zimmer hoch. Noch hatten die beiden ein Zimmer zusammen, aber bald, in einem Jahr, das hatte ihnen ihre Mutter versprochen, würde jeder sein eigenes Zimmer bekommen.

Nicht dass Tom oder Bill so scharf darauf gewesen wären, ein eigenes Zimmer zu haben; anfangs wollten sie nicht mal davon hören, aber seitdem ihre Mutter einmal nebenbei erwähnt hatte, dass zu einem großen Jungen, der bald in die Schule kam, auch ein eigenes Zimmer gehörte, waren sie Feuer und Flamme und warteten sehnlichste auf den Tag, damit sie sich auch zu den `großen´ Jungen zählen durften.

Kaum waren die Zwillinge in ihrem Zimmer angekommen verschwand schlagartig ihr beschämtes Gesicht und ein Kichern war zu hören. Nein, sie schämten sich kein bisschen wieder mal gegen die Regeln ihrer Mutter Simone Kaulitz verstoßen zu haben. Sie hatten es ja mit Absicht getan. Sie wollten das ja.

Unten viel die Haustür ins Schloss. Ihr Vater war von der Arbeit wieder gekommen, was hieß, bald würde es Abendessen geben. Schön, denn die Mägen der Kleinen knurrten schon total, dabei hatten sie eben erst beim Kaffe trinken ein riesen Eis verspachtelt. Wie groß doch ihre Mägen waren.

„Essen kommen!“ erhallte es auch schon von unten und wie auf Knopfdruck rasten Bill und Tom los. Am Anfang nur, um schnell da zu sein, doch sobald sie die Treppe erreicht hatten wurde es auch schon ein Wettkampf. Es war und blieb unausgesprochen, dass es einer war, doch sie mussten sich nur kurz anblitzen, da wussten es beide und sie gaben ihr bestes. So ungern sie jetzt schon Sport trieben, desto lustiger fanden sie so etwas. Das hatte, ihrer Meinung nach, ja auch nix mit Sport zu tun.

Genau gleichzeitig rissen sie schließlich die Tür auf und traten strahlend und mit der Erwartung, wegen ihrer Pünktlichkeit gelobt zu werden, vor ihrer Mutter, die sie allerdings nur entsetzt anschaute.
„Ihr Ferkel. Ab! Sofort sieht ihr eure Nasen und dreckigen Sachen aus und zieht euch was Trockenes an. Eher gibt es nix!“ erschallte es statt des erwarteten Lobes und missmutig machten sich die 2 wieder auf den Weg in ihr Zimmer, nicht aber ohne auf dem Weg lautstark über das befohlene zu lästern- doch Simone Kaulitz kannte das. Ihr machte dies inzwischen nichts mehr aus.


Endlich saßen alle am Tisch und aßen genüsslich ihre Nudeln, während ihr Vater von seiner Arbeit erzählte. Stink langweilig, wie die Zwillinge fanden, doch sie wussten, ihre Mutter hasste es, wenn alle am Tisch durcheinander redeten und so hielten sie lieber den Mund, aßen schnell auf, um dann auch gleich wieder zu verschwinden.

Kurz bevor die Zwillinge allerdings die Treppe erreicht hatten, hörten sie auch schon ihren Vater rufen: „Hier geblieben ihr 2, ich hab euch heute noch was mitgebracht!“
Mitgebracht… Na, das hörte sich gut an. Da kam man doch feiwillig zurück.

„Was denn Papa?“ Bill und Tom, die auch sofort ihren Unschuds- und Engelsblick aufgesetzt hatten sprangen auf den Schoß ihres Vaters und drückten ihn ganz doll, was diesen zum Schmunzeln brachte. Ja, damit konnte man sie doch immer hervorragend locken.

„Ach, eigentlich nicht viel, nur für jeden ne Kleinigkeit.“ Er holte seine Tasche hervor und zog zwei blaue Bilderrahmen heraus in denen ein Foto war: Ein Foto von den Twins in ihren letzten Ferien an der Nordsee. Das lag noch nicht lange zurück.
Wärend Tom auf dem Bild nur frech und breit in die Kamera grinste, kicherte Bill leicht schüchtern irgendwo in die ferne. Ein echt gelungenes, süßes Bild, fanden die Eltern, und so hatten sie es für ihre Kinder auch machen lassen.

„Ach so, nur ein Bild!“ kam es dennoch motivationslos von ihnen, aber trotzdem grabschten sie mit ihren kleinen Händen jeder eins der Bilderrahmen und düste wieder ab. Typisch von ihnen.

Noch hatte weder Bill, noch Tom eine Ahnung, wie wichtig ihnen einmal diese kleine Bild werden würde. Noch nicht, aber bald…

(Das Bild zur FF



Chapter 2

Bill riss die Augen auf. Er hatte doch irgendetwas gehört, oder? Vorsichtig schlich er zur Tür und öffnete sie einen Spalt und tatsächlich: unten aus der Wohnung waren eindeutig laute Schreie zu vernehmen, die das ganze Haus erfüllten.

„Komm Bill, sie streiten schon wieder!“ klang eine Stimme hinter ihm und er drehte sich um. Wie immer; Tom war zur selben Zeit aufgewacht, hatte auch die Schreie gehört und hatte nicht mehr einschlafen können. So war das eben; sie waren total gleich.

Langsam tapsten beide zurück zu ihren Betten, Biss sie vor ihnen stehen blieben. „Willst du mit in mein Bett?“ fragte Bill Tom vorsichtig, wusste aber schon die Antwort und rückte in seinem Bett ganz nah an die Wand. Das machten sie immer so. Immer wenn einer, oder meist beide nicht schlafen konnten, legten sie sich zusammen in ein Bett und kuschelten. Sie waren 6 und auch wenn ihre Mutter schon versucht hatte ihnen zu erklären, dass sie das, wenn sie in die Schule kommen würden, nicht mehr machen sollten- sich das also jetzt schon am besten abgewöhnen sollten, war ihr es in diesem Fall nicht gelungen.

„Ich hoffe das hört bald auf!“ brachte Tom mit seinem Blick zum Ausdruck und krabbelte auch zu Bill unter die Decke. Es ging nun schon mehrere Wochen so, dass ihre Eltern sich fast jeden Abend stritten; um genau zu sein seit Ende ihres letzten Uhrlaubes. Wie schön er doch gewesen war; der Uhrlaub. Wie gerne sie ihn wiederholen würden.

„Ja, hoffe ich auch!“ gab Bills Blick zurück und er kuschelte sich an Tom. Wenigstens stritten die beiden nicht. Gut, ab und zu gab es auch mal einen Streit bei den Zwillingen, aber das brauchten sie auch. Sie waren schließlich Geschwister, da durfte man sich ab und zu streiten, solange man sich wieder vertrug, und das taten sie sich ja jedes Mal auch gleich wieder.

So aneinander gekuschelt schliefen sie schließlich ein, dem jeweils anderen Wärme und Geborgenheit spendend.
So bekamen sie die immer dicker werdende Luft nicht mit.
So hörten sie das Geschirr nicht an die Wand fliegen, denn sie waren zusammen.


Die Sonnenstrahlen brachen durch das große Fenster und suchten die Augen Toms, um ihn langsam aus seinem Schlaf zu lösen. Es war schon spät, das wusste Tom, als er sich reckte erst seinen Bruder, der wie ein kleines Kätzchen zusammengerollt neben ihm lag, und dann nach draußen schaute. Was soll’s, heute war ja auch Samstag, das hieß kein Kindergarten sondern wahrscheinlich irgendein Ausflug mit der Familie, so wie sonst auch.

Vorsichtig verließ Tom das Bett, darauf bedacht seinen Bruder nicht zu wecken. Wenn er noch konnte, sollte dieser ruhig schlafen, da hatte er nix gegen.
Da er auf Klo musste (XD) schlich er sich leise auf den Flur, als er plötzlich eine große schwere Hand auf seiner Schulter spürte.

„Ach Tom, du bist schon wach?“ vernahm er die Stimme seines Vaters. Anscheinend war es doch noch nicht so spät wie er gemeint hatte. „Du, packst du bitte deine Sachen, wenn du dich angezogen hast?“ kam auch schon die nächste Frage und Tom nickte. Schön, das versprach ein toller Ausflug zu werden, wenn er schon die Tasche packen musste. Das hieß ja, es würde etwas mit Übernachtung sein. So was machte immer besonders Spaß.

„Was soll ich denn alles einpacken?“ fragte Tom gut gelaunt zurück und fing an zu strahlen. Er müsste Bill gleich doch unbedingt wecken, damit er auch noch zum packen kam.
„Alles was dir wichtig ist!“

Etwas verwundert schaute Tom an seinem Vater hoch, der ihn nur schief angrinste. Egal, auch wenn Tom ein komisches Gefühl in der Magengegend hatte, es würde schon nichts zu bedeuten haben- hoffte er zumindest, also zog er weiter ins Bad.


„Biiiiiiiiiiiiiiiiiilllllllllllllllllllllllllllllllllllllll, aufwachennnnnnnnnn!“ drang es dem Jüngeren Zwilling in sein Ohr und leicht schmollend öffnete er die Augen. Was sollte das, warum weckte man ihn bitte jetzt schon; so mitten in der Nacht… oder Moment mal. Das Zimmer war hell und Tom hüpfte munter weiter auf Bills Bettchen herum. „Bill, pack deinen Koffer! Papa hat eben gesagt wir sollten das machen, also los. Wir machen bestimmt einen ganz lustigen Ausflug mit übernachten und so. Wir sollen alles, was uns wichtig ist einpacken^^!“

Mit einem schlag saß Bill Kerzengerade in seinem Bett. Ausflug und Übernachten, dass hörte sich echt gut an. Da würde er sogar freiwillig aus dem Bett kriechen, wenn auch noch sehr verschlafen.
„Echt? Ist ja toll!“ brachte er in seiner noch immer nicht ganz verschwundenen Müdigkeit raus. Wohin sie wohl fahren würden? Aber das würden sie ja schon noch sehen.

Auf einmal drückte sich die Türklinke runter, die auf der gleichen Höhe lag, wie Tom und Bill groß waren, und ihr Vater trat ein.
„Na Tom, du hast ja schon gepackt wie ich sehe!“ kam es von ihm und er schaute zu Bill. „Morgen großer!“ mehr sagte er nicht, schaue ihn einfach nur ein bisschen traurig an.

„So Tom, wenn du schon fertig bist, dann lass uns auch losfahren. Dieses mal nur wir beide alleine, ja?“ entschuldigend schaute er wieder zu Bill und gab diesem einen Kuss, der allerdings nur stocksteif vom Schock da stand. Sie hatten bisher immer alles zusammen gemacht- er und Tom, warum heute nicht?
„Du machst was Schönes mit deiner Mutter!“

Auch Tom war geschockt. Ein Ausflug ohne Bill, dann auch noch mit Übernachtung? Das war nicht schön. So hatte er sich das nicht vorgestellt.
„Na dann sagt ich die mal tschüss, wir müssen jetzt los!“
Ihr Vater klang gehetzt, als ob etwas Schlimmes passieren würde, wenn er noch länger hier bleiben würde, aber die Jungen wussten nicht warum und so winkten sich die beiden nur aufmuntern lächelnd zu.

Als Tom schon auf der Treppe war, viel ihm gerade noch etwas ein; etwas was er vergessen hatte und das ihm noch wichtig war. Schnell rannte er zurück in Bill und sein Zimmer und wenn sich Bill nicht 100% getäuscht hatte, hatte er in Toms Hand einen blauen Bilderrahmen aufblitzen sehen.

„Bis bald!“ rief Bill ihrem Vater und seinem Zwillingsbruder noch zu, als sie gerade ins Auto stiegen.
„Ja, bis bald kleiner Bruder!“ kam es mit einer leicht rausgestreckten Zunge zurück, dann führ der Wagen ihres Vaters los.

Bill starrte dem Auto hinterher, bis er um die nächste Ecke verschwunden war- und da. Auf einmal erfasste ihn ein großer Schmerz als ob ihm ein Teil seiner Seele entzogen worden wäre. Nicht nur für ein oder 2 Tage…




Chapter 3

Der Schmerz, der aus dem tiefsten Inneren seiner selbst kam hörte und hörte nicht auf, obwohl Bill keine Ahnung hatte, woher er kam.
Was sollte das? Und vor allem, wieso machte sein Vater auf einmal nur was mit Tom? Es war doch auch sonst nicht seine Art gewesen, was mit dem jeweiligen ausgewählten Zwilling allein zu machen. Sonst war doch sogar immer die ganze Familie zusammen irgendwo hin gefahren. Nie getrennt, was war hier bitte los?

Auch wenn Bill noch nicht sonderlich alt war verstand er schon, dass hier etwas ganz gewaltig falsch lief, jedenfalls nicht so wie sonst und für ihn hieß das automatisch, dass etwas nicht stimmte, trotzdem machte er sich erstmal keine Sorgen.

Sofort, als er sich etwas gefangen hatte, lief er wieder ins Haus um seinen Koffer aus zu packen, oder würde er wirklich nachher noch was mit seiner Mutter machen, wobei er den Koffer auch brauchte?

Optimistisch wie er war ließ er das olle Ding doch erstmal eingepackt und lief stattdessen lieber erstmal ins Wohnzimmer um etwas Fernsehen zu schauen, solange seine Mutter noch nicht wach war und es ihm in der frühen Stunde verbieten konnte.
Er stockte. Was war das? Seit wann lagen auf dem Sofa Kopfkissen und Zudecke? Die waren da bisher auch noch nie gewesen; das war extrem verdächtig.

Vorsichtig beäugte Bill die Sachen und stellte fest, dass es die seines Vaters waren. Warum hatte er denn nicht bei Mutter geschlafen? Wollte er sie nicht wecken, weil er schon so früh weg fahren wollte? Sehr rücksichtsvoll, oder lag das an dem Streit?
Nein, das konnte Bill sich nicht vorstellen. Die Streite zwischen seinen Eltern waren ja immer am nächsten Tag vergessen gewesen, als hatten sie sich immer wieder vertragen, oder hatte er was verpasst?

Das Mulmige Gefühl in Bills Magengegend wuchs mit jeder Frage, die er hatte und er schaute sich unruhig um. Was war das für ein merkwürdiger Tag an dem echt alles verschlüsselt schien? Am besten, er würde mal seine Mutter fragen. Sie wüsste bestimmt mehr.

Sein eigentliches Vorhaben abbrechend trampelte der kleine Junge schließlich die Treppe hoch. Warum sollte er leise sein, wenn er seine Mutter eh gleich wecken würde? Das sah er irgendwie nicht ein, aber das alleine lärm machen machte nicht halb so viel Spaß, wie, wenn er mit Tom seine Eltern zur Heißglut brachte. Bill wünschte sich es wäre schon morgen und sein Zwilling wäre wieder da.

„Maaaaaaaaaaamaaaaaa aufwachen!“ brüllte der kleine mit seiner noch sehr hohen Stimme, als er schon auf dem Flur war. Man musste sie doch irgendwie vor einem vorwarnen.
Er riss die Schlafzimmertür auf und ein verstrubbeltes Gesicht schaute ihn verschlafen an. „Was ist den Schatzi. Brüll nicht so, du weckst noch die anderen!“ kam es nur vorwurfsvoll von diesem. Anscheinend hatte seine Mutter vergessen, dass sein Vater und Tom heute weg wollten?

„Ach, die sind schon längst weg. Papa wollte doch nen Ausflug mit Tom machen! Aber warum nicht mit mir und Tom? Ich will auch mit, oder machen wir heute auch was wo wir dann wo anders übernachten?“ strahlte Bill und hoffte insgeheim das dies stimmte.

Verdutzt schaute Simone Kaulitz ihren jüngsten an. Was hatte sie da eben gehört? Tom machte mit seinem Vater einen Ausflug, und dann noch ohne Bill?
Das konnte sie sich nicht vorstellen, doch sie war noch zu verschlafen um alles genau überdenken zu können.
„Nein, tut mir leid Mäuschen, wir machen heute keinen Ausflug. Ich komme gleich mal rüber zu dir und du erzählst, was genau vorgefallen ist, ja?“
„OK“ und so zog sich Bill enttäuscht zurück in sein Zimmer. Jetzt war auch ihm endgültig klar, dass wirklich irgendwas nicht stimmte.

Er schaute in sich im Raum um, welchen er sich mit Tom teilte und fand es auf einmal furchtbar leer, so wie er es noch nie wahrgenommen hatte.
Sein Blick viel auf die Fensterbank, auf der ein Teddy thronte, der Teddy, um den sie sich schon oftmals gestritten, aber dann doch immer zusammen damit spielten hatten.

Sein Blick wanderte weiter durch das Zimmer, bis er stoppte. Eine Schublade von seinem Schrank war offen und etwas Blaues guckte hervor. Sofort rannte er hin um zu schauen, was es sei.

Ein Bilderrahmen schaute ihm entgegen, der Bilderrahmen, den sie gestern bekommen hatten, der mit seinem und Toms Foto. Lächelns schaute er sich das Bild an. Wie schön doch die Erinnerung an den Urlaub war, wie viel Spaß die Twins immer am Meer gehabt hatten.
Immer noch lächelnd strich er über Tom. Ob er wohl jetzt auch gerade Spaß hatte?

Bill hörte, wie seine Mutter kam und stellte das Bild behutsam auf seinen Nachtisch. Wenn Tom wiederkäme würde er es natürlich wieder wegnehmen. Er wollte nicht, dass Tom von ihm dachte, er hätte ihn in diesne paar Tage so vermisst, dass er unbedingt dieses Bild gebraucht hatte. Nein, dass wollte er wirklich nicht.


„Na, alles OK?“ seine Mutter steckte den Kopf durch die Tür und wartete darauf, dass Bill nickte, was er auch gleich tat.
„Kommst du dann mit runter? Beim frühstücken kannst du mir ja erzählen, was genau heute Morgen los war.“

Und so ging Bill mit seiner Mutter runter.
„Dann erzähl mal!“ forderte sie ihn dann am Küchentisch auf und er fing an zu berichten; davon, dass Tom ihn auf einmal geweckt hätte, er müsste auch seine Tasche mit allem was ihm wichtig sei packen, sein Vater hätte das zu ihm gesagt und dann weiter, wie dieser meinte, dass er dieses Mal nur einen Ausflug mit Tom vorhatte, und Bill mit seiner Mutter, wie sie weg gefahren wahren und wie Bill dann die Schlafsachen im Wohnzimmer gefunden hatte…

„So war das, ganz ehrlich!!“ fügte Bill noch hinten an, während er gleichzeitig nickte, um seine Aussage noch überzeugender zu machen, doch seine Mutter sagte nichts. Starte einfach nur auf die Tischdecke.

„Mami?“
„Tom wird morgen nicht zurückkommen…“ wie in Trance nahm sie ihren jüngeren, zurückgebliebenen Sohn in den Arm und ließ in nicht mehr los.




Chapter 4

Bill verstand die Welt nicht mehr. Von heute auf morgen musste er ohne seinen Zwilling leben und ihm kam das alles so schrecklich langweilig und unwirklich vor.
Die erste Zeit hörte er seine Mutter jeden Abend, wenn er im Bett lag, weinen, was er als ziemlich schrecklich empfand und in diesen Momenten war er sauer. Sauer auf Tom uns seinen Vater, dass sie einfach nicht wieder kamen.. Er wusste nicht, was das alles sollte, warum die beiden einfach verschwunden waren und nicht wieder auftauchten, darum watete er Tag ein Tag aus auf die Wiederkehr.


~Zeitsprung~

Ein Jahr war vergangen und Bill hockte genervt in der Schule. Alle hatten sich auf diesen Tag gefreut- auf ihren ersten Schultag-, nur einer nicht. Er selbst. Ihn hatte es von Anfang an angekotzt hier hin zu gehen und erstmal aufgerufen zu werden, in welche Klasse er käme, und dann laberte ihn auch noch diese dumme dicke Frau da vorne zu, von wegen, dass die Plätze in der Klasse genau abgezählt seien und er nicht einfach den Sitzplatz neben sich frei halten dürfte.

Bill wollte aber nicht neben irgendeinem Typen sitzen, den er nicht kannte und der seiner Meinung nach auch nicht gut genug für den Platz neben ihm war. Könnte doch immer noch sein, dass morgen Tom wieder käme und dann würde der Platz neben ihm besetzt sein. Bill glaubt nicht, dass das Tom so gut gefallen hätte.
Schließlich setzte sich die Lehrerin aber doch durch.



Wieder vergingen Jahre und Bill würde immer größer und veränderte sich. Nur eins blieb gleich; immer noch wartete und wartete er darauf, dass Tom eines Tages wieder vor der Tür stände und stolz sagen würde, dass er jetzt sein eigenes Zimmer haben wollte, schließlich waren se ja schon in der Schule, doch es geschah nichts von dem.

Das Bild auf Bills Nachtschränkchen verstaubte langsam und immer mehr schwand die Erinnerung an seien Bruder. Wie hatte er eigentlich noch mal darauf reagiert, wenn etwas passierte, wie es nicht sollte? Wie hatte er noch mal mit ihm geredet, was war noch mal sein größter Wunsch gewesen?
Das einzigste was so blieb wie es war, war das Foto, aus dem man allerdings auch nicht genau sagen konnte, wie Tom sich jetzt entwickelt hatte.



Bill war nun fast 16 und hatte doch ein paar Freunde gefunden, wenn auch nicht viele, da er sich immer zurück hielt. Oft hatten sie ihn schon besucht, hatten auch schon das Bild im Bilderrahmen gesehen und ihn darauf angesprochen, doch immer wenn sie versuchten irgendetwas darüber zu erfahren, sagte Bill nur eins.
„Ich warte…!“ was dieser merkwürdige Satz zu bedeuten hatte, wussten sie nicht genau, aber sie merkten die bedrückte Stimmung, sie sich jedes Mal auf ihn legte, wenn er zu diesem Bild hinab sah.

Was Bill innerlich auch total fertig machte, war, dass er die ganzen nun fast 10 Jahre nichts von seinem Bruder gehört hatte. Als er eingeschult wurde, hatte er einen Tag später eine Glückwunschkarte von seinem Vater per Post erhalten, doch es war kein Absender drauf und auch keine Grüße von Tom.

Ging es ihm gut; lebte er überhaupt noch? Bill wusste es nicht.



„Na Bill, wie war die Schule?“ kam es aus der Küche gerufen, als dieser in das Haus trat und seine Tasche genervt in die Ecke pfefferte. Wie sollte sie schon gewesen sein? Langweilig, wie immer. Eigentlich war alles, egal was er machte für ihn langweilig- aber er zeigte es nie.

„Ganz gut!“ rief er deshalb nur, und wollte sich gerade ins Sofa schmeißen, als seine Mutter auch schon den Kopf durch die Tür steckte.
„Das freut mich. Na ja, ich muss gleich mal mit dir reden, beim Essen am besten, also komm auch und sag nicht wieder, dass du keinen Hunger hast. Du musst eh mehr essen!“
Wie oft er das schon gehört hatte…


Nun saßen die beiden beim Essen und Bill wartete missmutig, dass seine Mutter endlich anfing- mit was auch immer. Doch erst kurz bevor er fertig war, und sich schon bereit machte, wieder mal einfach nach oben zu gehen, wenn seine Mutter nicht bald mit der Sprache raus rückte, fing sie an zu reden.

„Bill, ich konnte es dir nicht eher sagen, weil ich das Gefühl hatte, dir ginge es in letzter seit etwas besser…“ falsch gedacht, dachte Bill, „Du hast ja auch gerade Freunde, die ja auch öfter kommen und so. Die Sache ist die… Wir ziehen um!“

Wom, das saß.

„Meine Arbeit hat mich befördert, allerdings auch in eine andere Stadt; nach Hamburg. Tut mir echt leid, aber irgendwie muss ich uns ja durchfüttern!“ setzte sie noch nach, doch Bill hörte nicht mehr wirklich zu.

Mit einem „Na toll!“ auf den Lippen knallte er die Küchentür hinter sich zu, hörte gerade noch, dass sie sogar schon nächstes Wochenende die ersten Sachen rüber bringen würden und in der Woche dann endgültig einziehen würden. Was für `freudige´ Nachrichten.

„Ich hasse mein Leben. ICH HASSE ES, ECHT!“ brüllte er, kaum dass er in seinem Zimmer war und schaltete die Musik auf höchste Lautstärke.
Umziehen, das hatte ihm gerade noch gefehlt



Chapter 5

Bill war umgezogen- von jetzt auf gleich in nur einer Woche. Er konnte es nicht fassen. Sofort war er auf eine neue Schule gekommen, doch hier war alles anders.
Auch wenn er in seiner alten klasse nur 2 wirkliche Freunde gehabt hatte, er hatte welche gehabt und insgesamt hatte ihn seine Klasse auch, trotz seines seltsamen Stils akzeptiert, aber hier…

Schon als er die Klasse das erste mal betrat, machten ihn mehrere Jungen an und auf seine Antwort, dass er nun ein Junge und kein Mädchen war, wie hier offensichtlich alle glaubten, hatten sie ihn gleich angefangen zu dissen. Das war wieder mal so typisch.
Hier schienen eh nur oberflächliche Denker zu sein.


Von seinem ersten Schultag an seiner neuen Schule geschwächt kam er wieder zu Hause, in seinem `schönen Heim´ mit sogar noch kleinerem Zimmer als vorher an und begab sich ohne weitere Worte auf dieses.
Schon oft hatte seine Mutter versucht ihn in irgendwelche Gespräche ein zubinden, doch es funktionierte nicht. Außer als Bill sie überredet hatte, dass er sich pircen lassen wollte, redete er grundsätzlich nicht viel mit ihr und soweit Simone Kaulitz es beurteilen konnte, auch mit allen anderen nicht.

Warum war ihr Ex-Mann damals bloß einfach mit Tom abgehauen. So hatte er das Leben seines eigenen Kindes, oder vielleicht auch seiner eigenen Kinder zerstört.

Theoretisch hätte sie auch nach ihm fahnden können, doch sie hatte nie Zeit dafür gefunden, und vor allem war sie selbst zu geschockt gewesen, und jetzt, nach 10 Jahren hatte es eh keinen Sinn mehr. Vielleicht war er ja noch nicht mal mehr in Deutschland. Sie konnte sich noch gut erinnern, wie er von einem Leben außerhalb geträumt hatte. Er war es ihr nicht wert hinterher zu suchen… höchstens Tom.



Bill saß inzwischen in seinem Zimmer und schaute sich um. Überall standen noch Umzugskartons die drauf warteten, ausgepackt zu werden, aber er war eigentlich zu faul.

Durch irgendein Gefühl bedrängt stand er plötzlich doch auf, ging zielstrebig zu einer Kiste und öffnete sie. Ein kleiner blauer Bilderrahmen stach ihm entgegen und wie in Trance nahm Bill diesen in die Hand.
Wann hatte er ihn gleich noch mal bekommen? War das nicht ein Tag bevor sein Vater mit Tom einfach weg ging? Hätte es theoretisch nicht auch er sein können, der mit seinem Vater fort gegangen wäre, wenn er eher als Tom aufgewacht wäre?

Traurig schaute Bill sich die 2 lächelnden kleinen Jungen in dem Rahmen an. Sie waren so unbeschwert, so frei, und was war passiert?
Mit einem gekonnten Wurf landete das alte Ding in der Untersten Schublade seiner Kommode. Eigentlich konnte er es ja gleich weg werfen, denn es hatte keinen Sinn, noch länger dieser Unbeschwertheit, dieser Person neben ihm nach zu trauern. Ganze 10 Jahre hatte er gewartet und gewartet. Gewartet, dass es plötzlich an der Haustür klingelte und Tom vor ihm stände. Wie er sich Tom jetzt vorstelle, wusste er zwar auch nicht, doch das war egal gewesen. Er hatte einfach immer gehofft, doch nun?

Jetzt wohnten Bill und seine Mutter in einem neuen Haus, in einer neuen Stadt, hier würde Tom ihn garantiert nie finden.
Jetzt gab Bill endgültig auf, dass er ihn je wieder sah. All die Jahre hatte er umsonst gewartet; gewartet auf eine Person, die ihn wahrscheinlich schon längst vergessen hatte.

Müde ließ sich Bill ins Bett sinken, als ihm auffiel, dass ihm doch irgendetwas fehlte…
So ein misst, er hatte doch glatt seinen Turnbeutel in der Schule liegen lassen, dabei wurde dort heute geputzt (es stand extra an der Tafel) und so ganz traute er den komischen Putzfrauen nicht. Man wusste ja nie!

Knurrig richtete sich Bill also wieder auf, schnappte sich seine Busfahrkarte, sagte seiner Mutter noch schnell bescheid und zog dann wieder von dannen. Er hatte zwar absolut keine Lust jetzt noch mal zur Schule zu fahren, aber dass konnte er dann auch gleich wieder mit einer kleinen Shoppingtour verbinden. Das wäre jedenfalls allemal besser, als in seinem muffigen Zimmer abzuhängen und zu warten, dass der Tag verging.
Shoppen entspannte doch immer wieder, vor allem nachdem einem klar geworden war, dass man etwas aufgeben musste, was einem lange Zeit sehr am Herzen gehangen hatte. Es war fast wie ein Absterben eines Teils seiner Seele.
Fast.


Bill schaute an dem hohen Gebäude hoch und kriegte gleich wieder ne schlechte Laune Attacke. Heute war echt nicht sein Tag, bei dem was schon so alles passiert war. Und dann musste er auch noch in den 4ten Stock. Warum lag seine Klasse ausgerechnet ganz oben?
Irgendwer schien es nicht gut mit ihm zu wollten. Aber daran hatte Bill sich ja schon gewöhnt. War nix neues mehr für ihn.

Leise Zählte er die Stufen mit 1, 2, 3, 4, 5, 6…
Ein Junge kam ihm entgegen und rempelte ihn so doll an, dass er das Gleichgewicht verlor und rückwärts die Treffe runter viel. Ihm wurde schwindelig und ein weißer Nebel setzte sich kurz vor seine Augen, bis er plötzlich eine Stimme neben sich vernahm.

„Alles OK bei dir?“ kam es von dem anscheinend stehen gebliebenen Jungen und Bill schaute auf direkt in die Augen des Anderen.
Nein, das konnte nicht sein. Das war unmöglich, das war doch nicht etwa

„Tom..?“ eine leise, eigenständige Stimme kroch vorsichtig aus Bills Kehle und sprach den Namen aus, den er so lange gemieden hatte.

„Bill…?“ kam darauf hin nur zurück und das erste Mal seit dem Tom fort war fing Bill an zu weinen. Er hatte es all die Jahre unterdrückt, hatte sich geschworen immer stark zu sein und einfach zu warten, doch jetzt… jetzt, wie er da so hilflos auf dem Boden lag, konnte er sich die vielen Tränen nicht mehr unterrücken und ließ ihnen einfach freien Lauf.
Doch er schien nicht der einzigste zu sein.

„Bill, was machst du denn hier?“ hörte er es nur freudig schluchzen und er erkannte, wie sein Gegenüber: wie Tom ihn anstrahlte, als hätte er gerade den größten Schatz der Welt gefunden. Vorsichtig beugte Bill sich vor und umarmte ihn, seinen verlorenen Zwillingsbruder.

Niemand achtete auf Toms Tasche, die wehrlos irgendwo gelandet und aufgegangen war. Ein kleiner blauer Bilderrahmen mit einem niedlichen Foto lugte vorsichtig aus dem Reißverschluss hinaus…



Ende



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung