ariean
  Startseite
  Archiv
  Because I was dreaming
  Nur noch ein Foto
  Bericht
  Herzschlag- der Weg allein
  Gästebuch
  Kontakt
  Abonnieren
 


 
Freunde
    tigerauge
    patrimaus
    - mehr Freunde


Links
  tigerauges geile FF


Letztes Feedback


http://myblog.de/ariean

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
Herzschlag- der Weg allein

Langsam gehe ich durch die Straßen- allein. Alleingelassen von allem und jedem. Das einzigste, was mich noch begleitet- mein Herzschlag. Dodom, dodom, dodom…

Ich selber fühle ihn kaum noch, denn die Einsamkeit hat mich zerfressen, doch ich schaue nicht zurück, nicht zu den alten Tagen meines Lebens, aber ich blicke auch nicht voran.

Dodom. Mein Körper bebt, meine Seele fängt an, gleichmäßig im Takt zu schwingen. Wieso bin ich eigentlich hier, hier und so allein?

Das habe ich mich schon mal gefragt, doch noch immer bleibt mir die Antwort vorenthalten. Ich kann- und ich will mich an nichts mehr erinnern, denn egal was in meiner Vergangenheit liegt, es kann nix gutes gewesen sein. Wieso ich mir dessen so sicher bin? Über all an mir sind Makel, besser gesagt Wunden, Kratzer und meine Rippen kann ich auch schon durch meine dünne Haut zählen. Wieso sehe ich bloß so aus?

Dodom. Auf was für einem Weg ich gerade bin, und vor allem wohin ich gehe weiß ich selber nicht. Was weiß ich eigentlich überhaupt noch?

Meine schritte werden immer schwerer, mein Hals immer ausgetrockneter. Ein leises Röcheln entfährt meinem Mund. Wasser, ich brauche jetzt ganz dringend Wasser, doch wohin ich auch schaue, keine Menschenseele ist hier zu sehen, keine lebende Seele, die nicht dem Alltagstrott verfallen ist, keine Seele, die noch an ein Luftholen zwischendurch denkt, oder womöglich noch auf irgendeinen Mitmenschen achtet. Was ist bloß mit dieser Welt passiert?

Dodom. Ein Stoß in den Rücken und ich falle auf meine wunden Knie. Ein heiserer Schrei entfährt meiner Kehle, doch nichts. Immer noch achtet niemand auf mich, immer noch denkt jeder an sich und ich selbst kann noch nicht mal behaupten, das Gegenteil zu machen.

Ich will doch auch, dass mich jetzt wer beachtet, auf mich aufmerksam wird, mir was zu Trinken oder zu Essen spendet, ich denke doch auch gerade nur an mich, oder ist das eine andere Situation?

Dodom. Bilder schießen in meinen Kopf: Viele lachende- ehrlich lachende Menschen die mir die Hand hinhalten und mir auf helfen, doch ich kann mich nicht mehr erinnern, wann jemals wer so freundlich zu gewesen sein soll. Wieder sehe ich die Bilder vor meinen Augen abspielen, versuche mich doch wieder zu erinnern, die Gesichter zu erkennen, doch ich schaffe es nicht. Es ist einfach zu schwer.

Die Bilder aus meinen Gedanken schiebend schaue ich auf meine Knie, auf denen ich noch immer hocke. Langsam läuft dickes rotes Blut aus den aufgescheuerten Löchern in der Jeans und landet auf den blau grauen Pflastersteinen. Ein jämmerlicher Anblick: ein heruntergekommener Straßenjunge mit stinkenden Klamotten und aufgeschürfter Haut mitten in einer alten Gasse zwischen Regenrinnsählen und dem Müll, der rücksichtslos an die Seite geschmissen wurde. Kein Paradies, höchstens für Ratten, aber was bedeutete das überhaupt? Paradies… es war ein so gebräuchlicher Begriff, aber was genau stellte man sich jetzt darunter eigentlich vor? Eine grüne Blumenwiese mit einem kleinen eigenen Schloss und so viel zu Essen wie man wollte? Aber es gab ja auch Menschen, die gegen Gräser allergisch waren, was wäre für die Leute das Paradies, oder gab es eigentlich keine genaue Zuordnung zu diesem Wort?

Dodom. Trotz meiner wieder willigen Beine richte ich mich langsam auf. Wohin jetzt? Weiter durch diese graue Welt? Was blieb einem sonst schon anderes übrig. Man hatte ja sonst keine Wahl, denn an das Paradies, oder das Schlaraffenland, oder war das beides as selbe (?) glaubte man wie gesagt schon lange nicht mehr.

Eine weiße kleine Katze sprang von einem Fenstersims und rieb ihr weiches, reines und unschuldiges Fell an mir, begrüßt mich mit einem Schnurren.
Ja, dieses kleine Knoil war schon zu beneiden. Dem Halsband nach zu urteilen hatte es ein nettes kleines Heim, wurde regelmäßig mit essen und trinken versorgt, hatte Zeit, draußen herum zu streunen und bekam bestimmt zu dem noch eine menge Liebe von ihren Besitzern zugeteilt. Ja manchmal wünschte man sich doch glatt, ein kleines Haustier zu sein, statt eines freien und unbeachteter Menschen.

Dodom. Wieder schießen Bilder vor meine Augen, lassen sich nicht aufhalten, kommen einfach ohne Vorwarnung. Wieder sehe ich viele ehrlich lachende Leute, die gleichen wie eben, ist das etwa eine Familie? Ein Junge sitzt neben mir und schaut mich lachend an, hellt mir etwas entgegen: Ein kleines flauschiges Ding, einen Welpen. Was hat das zu bedeuten? War ich ein Teil dieser Familie?

Wieder verlöschen die Bilder so schnell wie sie gekommen waren, wieder weiß ich nicht, was ich mit ihnen anfangen soll, das einzigste, was immer noch zu hören ist, ist das leise schnurren der Katze, die ich inzwischen leicht kraule. Wenn schon nicht mit Menschen- Gleichartige, dann könnte man doch wenigstens mit Tieren Kontakt aufnehmen, wenn sie einem Beachtung schenkten. Beachtung, die ich schon gar nicht mehr kannte.

Dodom. Ein Pfiff durchfährt meinen Körper und lässt eine Gänsehaut erscheinen. Ein kleines Mädchen, das mich misstrauisch beäugt steht am anderen Ende der Gasse und schaut immer wieder kurz auf das Kätzchen. Schon gut, ich lasse dein Haustier in Frieden, denke ich nur, erhebe mich abermals und werfe dem zurückgelassenen Knoil, das so einsam zwischen meinen Blutflecken steht, noch einen letzen Blick zu, dann verschwinde ich auch schon aus der Gasse in die nächste rein.

Gassen. Eigentlich etwas, was ich nie gemocht habe, doch inzwischen ist es mir beinahe lieb geworden, mich nur noch in ihnen zu verstecken. Es gibt ja sonst nichts, was mir auf dieser Erde noch halt gäbe, doch das Dämmerlicht und die unheimliche, abschreckende Ruhe geben mir nach langer Zeit der Einsamkeit doch etwas Schutz. Schutz vor der wirklichen, hektischen Welt, die mich so abstoßen zu versucht, die mich nicht zu brauchen scheint.

Dodom. Meine Füße tragen mich immer weiter, ob sie wund sind, waren oder wie es mir generell sowieso geht ist egal geworden. Ernähren tue ich mich auch nur von Abfällen, die immer weniger werden. Theoretisch könne ich ja auch betteln gehen, doch dazu ist man dann doch wieder zu stolz, denn ein bisschen der eigenen Würde hat man sich noch immer aufbewahrt, um das Gefühl zu haben, noch ein bisschen Menschlichkeit zu besitzen, nicht ganz ausgestoßen zu sein.

Plötzlich stehe ich vor einem Haus. Aus dem hinteren Garten ist ein grelles Lachen zu vernehmen und ein Duft von gegrilltem Fleisch steigt mir in die Nase. Schon öfter hab ich mich an dem Gedanken versucht, vielleicht irgendwo doch noch eine Familie zu Haben, die auf mich wartet, die mich trotz allem so nimmt wie ich bin, die für mich da ist, die mit mir lachen und weinen kann, doch es ist Zwecklos. Reine Zeitverschwendung, weiter nichts, eine Zeitverschwendung, die mich immer mehr mitnimmt, noch mehr, als das Verdrängen meiner Vergangenheit.

Ich löse meiner Finger vom höltzernden Zaun, stoße mich leicht von ihm ab und fange an, die immer mehr durch die Dämmerung leuchtenden Sterne zu Zählen. Vergeblich- ist ja klar, aber was könnte ich jetzt sonst tun? Zum Dieb wollte man sich dann ja doch nicht herunter lassen, auch wenn der Magen noch so knurrte, sich in den Garten zu schleichen und etwas von dem leckeren Essen zu klauen, hällt man dann doch zu unwürdig. Lieber würde ich da noch verhungern.

Dodom. Zwei Augen starren mich von der anderen Seite des Zaunes an. Zwei Augen, die mit meinen auf einer Höhe liegen und mein von der Straßenlaterne beleuchtetes Gesicht zu mustern Scheinen. Die Augen sind schön und irgendwie bekannt. Sie strahlen etwas aus, doch was es ist, ist unklar?!
„Bill?“ höre ich ein leises Flüstern, das sich anhört, als habe es mir der Wind ins Ohr gewehtund ich erschrecke. Wer ist das, wer ist das, der meinen Namen kennt, der mich sieht, der mich anspricht, wer ist das, der hinter diesem Zaun steht?

Vorsichtig nicke ich. Lieber misstrauisch sein, als sich linken zu lassen, lieber allein sein, als falsche Freunde zu haben, lieber unerkannt, als von allen Angesprochen.
„Bill, du bist es wirklich!“ höre ich es wieder, aber merke zugleich, wie sich die Augen mir gegenüber weg drehen, verschwinden- ganz langsam in der Dunkelheit.

Dodom. War wohl doch nur ein Trick. Leicht enttäuscht und gehe wieder weiter den Zaun entlang, immer das Geschehen im Garten im Auge behaltend, doch es passiert nichts. Wäre ja auch zu komisch, zu schön gewesen, wenn ein Menschliches Wesen mich erkannt hätte und dann noch etwas mit mir zutun haben wollte. Schier unmöglich. Was hab ich nur erwartet?

Meine Gedanken schweifen wieder ab. Gleiten von dem Garten wieder hinauf ins Sternenmeer. Vielleicht ist das ja auch das Paradies? Die vielen Lichter, die ruhige, behütende Atmosphäre… es könnte gut so sein. Möglich wäre e ja, denn kein lebender Mensch hatte das Paradies ja je gesehen.
Wie schön es wohl wäre einfach frei zu sein, frei von allen Lasten und Sorgen, frei voll allem das einen Quält?!

Dodom. Eine kalte Hand legt sich auf meine Schulter. Langsam drehe ich mich um. Was würde mich wohl als nächstes erwarten?
Nichts? Ich drehe mich ganz um und starrte schon wieder in diese Augen. In die Augen, die ich eben am Zaun auch schon wahrgenommen habe.

„Bill, mein Bruder!“ zwei Arme schlingen sich um mich und ich spüre Wärme, Wärme, die ich schon lange nicht mehr in mir hatte, Wärme vom Herzen aus. Wo war sie so lange, diese Wärme?
Am Gartentor sehe ich, wie sich uns eine Frau langsam nähert, wer sind diese Leute?
„Bill, wir haben dich so vermisst!“ immer noch diese Wärme, immer noch ein anderes Gefühl von Geborgenheit und plötzlich erkenne ich die Leute. Es sind dieselben Menschen wie aus meiner Erinnerung, die selben glücklichen Gesichter, die selbe Wärme ausstrahlende Umgebung: Meine Familie

„Ihr habt mich nicht vergessen, wie schön“ langsam schließe ich die Augen und lasse alles wirken.
Langsam spüre ich, wie das Leben in mir zurück kehrt, wie ich meinen Herzschlag spüre, dodom, dodom, dodom…

ENDE



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung